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Artikel von Jean-Philippe Cotis, OECD Chefökonom
Financial Times Deutschland, 26. März 2007
Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten und die Entwicklung der Immobilienmärkte haben Befürchtungen über Rezessionsrisiken in den USA mit Auswirkungen auf die Weltwirtschaft laut werden lassen. Blickt man über kurzfristige Schwankungen hinaus, dann bleibt das wahrscheinlichste Szenario jedoch eine ausgeglichenere Entwicklung auf beiden Seiten des Atlantiks mit einer weichen Landung in den USA, einem robusten Aufschwung in Europa und anhaltend hohem Wachstum in Asien.
So ist die US-Wirtschaft seit Mitte 2006 aufs Jahr gesehen um rund zwei Prozent gewachsen und es ist wahrscheinlich, dass dieses moderate Wachstum für die nächste Zeit anhält. Dabei dürften die Anpassungen am Immobilienmarkt das Wachstum weiter dämpfen, die neu entstehenden Arbeitsplätze und starke Exportmärkte ihm aber weitere Dynamik verleihen.
Die Wachstumsraten im Euroraum haben in den vergangenen Quartalen die Entwicklung in den USA übertroffen. Sie liegen über dem historischen Durchschnitt und Deutschland hat sich als Wachstumslokomotive zurückgemeldet. Allerdings dürfte die Mehrwertsteuererhöhung hier den Aufschwung etwas abmildern. Er sollte sich aber angesichts des positiven Geschäftsklimas und neuer Arbeitsplätze, die Haushaltseinkommen und Konsum stützen, weiter verfestigen.
In Japan bleibt der Aufschwung auf Kurs. Er ist vor allem getragen von Investitionen der Unternehmen, die auf Basis guter Gewinne und Exporten, die durch einen niedrigen Wechselkurses begünstigte sind, getätigt werden. Die Expansion bleibt jedoch unausgeglichen angesichts der schleppenden Entwicklung bei Konsum und Arbeitseinkommen.
Die Gesamtinflation hat sich aufgrund fallender Energiepreise reduziert. Vor allem in den USA bleibt die Teuerung aber etwas über akzeptablem Niveau. Im Euroraum sind die Aussichten für die Preisstabilität recht erfreulich. In Japan ist das Ende der Deflation noch nicht abzusehen.
Aufgrund der freundlichen Konjunkturentwicklung sind die Steuereinnahmen fast überall gestiegen und die unverhofften Einnahmen werden stärker als in der Vergangenheit zur Budgetkonsolidierung genutzt. In den meisten Ländern wären jedoch größere Anstrengungen nötig, um finanzpolitischen Handlungsspielraum zurückzugewinnen. Dies ist angesichts der schnell alternden Bevölkerung und der notwendigen Reformen in den Renten- und Gesundheitssystemen dringend geboten.
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